Jürgen Lodemann
Schriftsteller, Filmemacher


FILME  (Auswahl)


Start war 1968 "IM WARTESAAL DER LIEDERMACHER", "IM WARTESAAL DER FILMEMACHER". Mehrere Abende mit jungen Liedermachern und Filmemachern -  im originalen alten Wartesaal des Kaiser-Bahnhofs Baden-Baden, heute Foyer des großen Konzerthauses. Fürs Fernsehen des SWF versammelten sich da die Leute, die bis dahin auf Burg Waldeck Beachtliches getrieben hatten. Da sangen nunmehr Dieter Süverkrüp, Franz Josef Degenhardt, Dieter Hüsch, Franz Hohler, Dr. Dr. Dr. Schwendter, Reinhard Mey, Walter Mossmann, Floh de Cologne, Hannes Wader, Insterburg und viele andere. Es entstanden vier Sende-Folgen zu 60 bzw. 45 Minuten. Die vierte Folge fiel unter die Zensur und scheint verschollen. In bester Erinnerung ist da aber Walter Mossmanns Lied "Renitent" und sein „Lied vom Goldenen Buch“ der Universität Freiburg, auf dessen Seite 67 auch die Unterschrift eines Roland Freisler erscheint (vgl. Lodemanns „Schwarzwaldgeschichten“ , 2007).

Im November 2017, also fast 50 Jahre später erkenne ich im Vortragssaal des Düsseldorfer Heine-Instituts, wo ich vorlesen soll aus "Gegen Drachen", da sehe ich plötzlich vor mir diesen Dieter Süverkrüpp, sehe und erkenne ihn nach fast einem halben Jahrhundert und beginne wenige Sekunden, nachdem das hier wiedergegebene Foto geknipst ist, mit dem Singen eines seiner wunderbaren Lieder, trällere das Lied vom Baggerführer Willibald, das auch meine Kinder gern auswendig und lauthals vortrugen: "Im Winter ist es kalt, dann kommt der Willibald  -  und gräbt ein tiefes Loch  -  was noch?"

 

  foto: melanie zanin








Meine Filme-Macherei fürs Fernsehen begann dann mit einem einzigartigen Film VON Martin Walser - VON! Begann mit:

"WAS MAN SIEHT UND WAS MAN NICHT SIEHT. Mit der Straßenbahn von Duisburg nach Dortmund."

Der Film lief 1969 nachmittags im Südwestfunk (heute Teil des SWR), in den Anfängen der damals startenden "Dritten" Programme. Später und noch als Rentner versuchte ich vergebens, diesen Film mal in ein Abendprogramm und womöglich in das Hauptporgramm des SWR zu bugsieren, jedesmal, wenn Walser wieder mal 10 Jahre älter wurde, 70, 80, 90 und dann - - - aber jedesmal verstand niemand, wovon ich redete oder schrieb oder mailte, bekam als Antwort Bescheide von Kennern: "Über Walser haben wir reichlich Filmmaterial, keine Sorge." Das reichliche Material hatte ich oft selber hergestellt, aber die Nachfolger im Sender wussten es besser. Und so wurde Walsers Film, den ich ergreifend fand und finde, nie gesendet. Bis heute. Idee und redaktionelle Organisation für seinen Film waren entstanden, weil er 1968 in seinem schönen  Haus am schönen Bodensee die Idee hatte, filmisch Goethes "Italienischer Reise" zu folgen. Das war zu teuer geworden für den kleinsten Etat im Sender, den für Kultur. Das traf auf meinen Gegenvorschlag, wie es wäre  (nach Walsers Vorwort zu Erika Runges "Bottroper Protokolle"), statt durch Italien mal quer durch die Städtestadt Ruhr zu reisen. Von Duisburg nach Dortmund, mit der Straßenbahn.

Das probierte er dann tatsächlich, im Februar 1969. Fand das aber hart, fast unerträglich. Damals begann das Sterben des Reviers, wurde Zeche um Zeche geschlossen, auch Stahlwerke. Das Ruhrgebiet kämpfte. Aus dem Essener Hotel rief er mich an mit erkälteter Stimme: "Grauenhaft. Trostlos". Ich ermutigte ihn: "Und eben deswegen sollten Sie's machen. Sie bekommen unseren besten Kameramann!" Er zögerte lange, unser Gespräch fiel schwer, ihm wie mir. "Und Sie bekommen einen Ton-Mann, den verkleiden wir als Briefträger, bin gespannt, was der auffängt in den Straßenbahnen. Ruhrwörter sind anders als Bodenseewörter"  Mit dem Seufzer "Sie sind ein Sadist" legte er schließlich auf. Und hat dann ein einzigartiges 30-Minuten-Dokument entstehen lassen.

Der "sprachgewaltige" Dichter als Filmregisseur verzichtete auf jeden Kommentar. Zu intensiven Bildern und mit Teilen aus Konzernreklame und mit Tönen aus den Straßenbahnen des Ruhrgebiets entstand ein Film über die schwärzeste Zeit von Europas größtem Kohle- und Stahlrevier. Und machte mich sehr intim noch einmal aufmerksam auf das besondere Sprechen der Bewohner in meiner Städtestadt. In Duisburg mit rheinischem Klang, in Bochum und Dortmund mit westfälschem. Nicht umsonst sagte mir ein Bergmann in einem meiner fünf späteren Ruhr-Filme: "Wo so'n Völkergemisch is wie hier, da fühlt man sich doch gleich wie zuhause".

Ja, in einer Stadt, die größer ist als Berlin. Hat mehr Bewohner,  mehr Opernhäuser als die Hauptstadt. Und überhaupt, die Ruhrstadt war 2010 nicht grundlos "Europas Kulturhauptstadt". Hier anschließend einige der Wunderbilder des Kameramanns Horst Bever (später mein Kameramann zum Beispiel für den Film "Bagdadbahn"). Die ersten Aufnahmen entstanden frühmorgens zwischen 5 und 6 Uhr. Bei der Fahrt der Arbeiter zur Arbeit.








Rahn?


Martin Walser (oben links zu sehen)  in Bochum? Essen? Duisburg? Gelsenkirchen? Damals gab es noch "Krupp" in Essen und "Opel" in Bochum. Hinter Walser macht Horst Bever mit seiner "Arri" Schwarz-Weiß-Bilder auf 16-mm-Material. Auch die West- und Süd-Ausgabe der BILD-Zeitung entstand damals in Essen. Der Dichter verzichtete dann für das "Dritte Programm" des Südwestfunks auf jeden Kommentar. Bevers Bilder sind beredt genug. Kommentare liefert aber auch das Gerede in den Bahnen. Oder ein Hörfunk-Mittschnitt am frühen Morgen aus dem WDR: "...in zwölf Sekunden ist es fünf Uhr fünf".

Oder einer der Sätze aus den von Walser einmontierten farbigen Werbefilmen der Ruhr-Konzerne, etwa: "Dass man was schafft, das merkt man nur am Durchflusszähler... Du drücks da bloß en Knöppgen." Wenn Walser 70 und dann 75 wurde und dann 80 und 90, jedesmal reagierte der Sender auf meine Bitte, den Film ins Programm zu nehmen, mit der kuriosen Antwort, man habe über Walser wunderbares  Material. Walser als Filmemacher blieb unvorstellbar. Und zu den Spitzen des Hauses hatte ich nie Zutritt (vgl. "Meine Medienmemoiren").

 


All solche Bilder (von Philipp Otto Runge?) regten an, ließen mich von nun an eigene Filme machen, zuerst je 45 oder 60 Minuten "Trivial-Literatur" , "Heimatromane". "Der Krimi". "Frauenromane".   1971/1972, teils szenisch. Und insbesondere "Heimatromane" auf den Spuren deutscher Fremden-Ängste.






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Erste eigene Produkte waren monatlich ab 1972 "Literaturmagazin", dann "Café Größenwahn", TV-Reihen mit "Bücher-Bestenliste". Oben eine Bildmontage aus der ab März 1975 operierenden Jury der Anti-Bestsellerliste "SWF-Bücher-Bestenliste", kombiniert mit einem Foto der Moderatoren des "Literaturmagazins" ab Januar 1972 - mit Dagmar Berghoff für den "Nachrichtenteil", später wurde sie die "Tagesschau"-Sprecherin.

Das kritische "Literaturmagazin" lief mit Film-Einspielungen, meist Eigen-Produktionen.  Seit dem 3. 1. 1972 kam es zur Redaktion und Moderation von am Ende mehr als 250 Sendungen,  monatlich  45 oder 60 Sendeminuten. Das sendefertige Produkt war vor der Ausstrahlung stets der hausinternen Hierarchie vorzuführen. Dem Abteilungsleiter, dem Hauptabteilungsleiter, dem Chefredakteur des Fernsehens, oft dem Fernsehdirektor - und jedes zweite Magazin war zu korrigieren ("Meine Medienmemoiren").

Nach viel internem Zensur-Krach, der zuletzt zum Glück stark nach außen drang (auch hier erwies sich als hilfreich die Mitwirkung von zum Selberdenken verpflichteten Juroren), da flüchtete ich ab 1980 in eine neue Sendeform unter dem Titel "Café Größenwahn", nun mit nur drei oder vier Gästen im Studio, mit Autoren, Kritikern, Übersetzern, Herausgebern. Thema war da durchweg die seit 1975 monatlich ermittelte und überraschend rasch wirksame Qualitäts-, Kritiker- oder "Bücher-Bestenliste des Südwestfunks".  Auch "Café Größenwahn" widmete sich, meist mit hartem Pro und Contra, den jeweiligen Neuerscheinungen, entdeckte aber gern auch "Übersehenes", erreichte jedoch im "Dritten Programm" und zu später Stunde höchstens 2 Prozent möglicher Einschaltungen - immerhin gut 200 000 Zuschauer. Manchmal 250 000 verfolgten da stilistische Erörterungen, also mehr Leute als in ein Fußballstadion passen. Auch "Café Größenwahn" wurde nur im "Dritten" ausgestrahlt (zwei Anläufe ins Hauptprogramm endeten spektakulär, was nicht hausintern blieb, danach kam das jedesmal zurück ins "Dritte" und dort dann mehr und mehr in die Mitternachts-Stunden - meine allererste Sendung hatte mal um 20.15 h begonnen. Das südwestdeutsche "Dritte" war damals immerhin zu sehen in Köln, Mainz, Frankurt, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg, Basel, Zürich. Tonangebend in der Jury des "Bestenliste" war liebend gern Marcel Reich-Ranicki.  "Warum, Lodemann, warum machen Sie ein Kritiker-Parlament? Drei oder vier kluge Gäste, das reicht." Eben dies lief ja dann in meinem "Café Größenwahn" und zwei Jahre später sehr erfolgreich in seinem "Literarischem Quartett".

Die Studios der Reihen "Literaturmagazin" wie "Café Größenwahn" beherrschte dieses Bild des Arcimboldo (1527 - 1593), die Figur eines, der tatsächlich, wie oft zu hören ist bis heute, "nur noch Bücher im Kopf" hat.

Über die "Bestenliste" berichtet ausführlich das Suhrkamp-Taschenbuch Nr. 2492 ("Die besten Bücher. Die Resultate der ersten 20 Jahre").


Links Arcimboldos Bild zusammen mit  "Schrei", einem Objekt des Dichters Otto Jägersberg.




Stimmt ja, das lief oft unverschämt, nämlich selten unterhaltsam für Leute, die abends im "Dritten" nach den Nachrichten mit noch seltsameren Leuten konfrontiert wurden als schon durch "Tagesschau" oder "Heute".

Die Reihen riskierten auch Populäres, Quiz mit den Zuschauern, dann gar eine "Bestenliste" der Zuschauer. Prompt favorisierten sie das letzte Buch des Erich Fromm, den ich kurz zuvor noch mal hatte interviewen können, den 80jährigen  12 Stunden vor seinem Tod.


Unten ein Bild vom Auftritt Arthur Schopenhauers durch Gerd Westphal, der dem Reporter in einem Park vor Brenners Parkhotel in Baden-Baden nichts anderes antwortete als authentische Schopenhauer-Verdikte, über Gott und die Welt und die Universitäten..

Spezialität oder Zufälle? Am Ende meiner 30 Sender-Jahre stellte sich raus, es waren mit guten Autoren deren letzte Interviews entstanden. Alle fast 60 Minuten. Mit Erich Fromm 1980, dann mit Peter Weiß, mit Heinrich Böll, mit Erich Fried.


Als Grundsatzdebatte mit den Ton-Angebern der Jury entstand 1975: "THOMAS MANN als politischer Schriftsteller", eine Debatte zu seinem hundertsten Geburtstag im Mai, 120 Minuten, eine zweistündige Diskussion mit Reich-Ranicki, Böhlich, Sontheimer, Wapnewski und Walser. Das wurde im Lauf der zwei Stunden zum Rede-Duell zwischen Reich-Ranicki und Martin Walser, vor allem um Thomas Manns Haltung gegenüber Faschismus und Kommunismus und wie weit seine Romane "eigentlich politisch" gewesen seien. Ein Jahr danach erschien Walsers Erzählung „Jenseits der Liebe“ (über einen handfesten Fall von Profitwirtschaft), die Marcel Reich-Ranicki verriss unter dem vernichtenden Titel „Jenseits der Literatur“. Profit und Existenzkampf fehlten in Walsers nachfolgenden Buch "Ein fliehendes Pferd". Das bot stattdessen Freizeiten am Bodensee und fand des Großkritikers massives Lob - und die Gunst der Zuschauer.

All solche Ereignisse trieben mich endlich aber raus aus den Studio-Engpässen, zuerst, mit guten Kameraleuten, ermutigt durch die Ruhrbilder des Horst Bevers folgend, zu fünf Filmen über die Zwölf-Großstädte-Stadt Ruhr. Also von Baden-Baden aus in die größte deutsche, in die Ruhrstadt. Die Titel:

Essens Haupstraße, Die Kettwiger

Uns fragt ja keiner mehr

Altlasten

Der Gaukler als Arbeiter. ntendant Heyme in Essen

Borbecker Jungens. Arbeitersohn Dr. Ernst Schmidt

"Hauptstraße" beginnt düster, schmuddelig,  wirr.  "Typisch Ruhrgebiet?" fragte der Kommentar. "Sorry, alles, was Sie bisher sahen, waren Bilder aus dem Weltbad Baden-Baden." Folgten dann entzückend Waldberge, sonnige Villen, Wasser und Parks zum Satz 1 von Mendelssohns Italien-Sinfonie. "Und dies, meinen Sie, war nun "richtiges" Baden-Baden? War die Mitte des Ruhrgebiets. Essen."



 "IM STEINTAL". 60 Minuten In den Vogesen, auf den Spuren von Büchner, Oberlin und Lenz. "Mit Anmerkungen über Goethe, Gott und die Germanisten" , sagt der Untertitel. Auch auf dem TV-Schirm: Textkritik. Sozialarbeit.



Allabendlich westlich Freiburg die letzte Sonne, hier exakt zwischen Vogesen-Silhouette (links hinten) und rechts davor mit dem alten Vulkanbuckel "Kaiserstuhl", erdgeschichtlich zuletzt aufgestiegen zwischen  zwischen Vogesen und Schwarzwald, vor Freiburg.






Über dem Hochtal mit Namen "Steintal":

 



















In GALWAY am Atlantik, in Europas westlichster Stadt:







 

"Columbus: In Galway sahen wir Bemerkenswertes" (90 Min.). Der Titel ist wörtlich aus einer Notiz des Amerika-Entdeckers, die er handschriftlich und lateinisch hinterließ in einem seiner Reisebücher. "Multa notabilia videmus in Galway".

Nicht umsonst wurde Galay 2020 "Europas Kulturhauptstadt". Als Stadt der starken Frauen und der ältesten Geschichte des Wortes "Lynch-Justiz". 90 Minuten Film mit Sängern, Dichtern und Gauklern und mit John F. Kennedy. (Siehe dazu auch das letzte Interview mit Erich Fromm in der Start-Rubrik "Gegen Drachen").

Unten: Westküste der westlichsten Insel Europas, vor Irland, vor Galway.


















Und nie kümmerte sich meine vermeintliche Schreib- oder Film-Kunst um die Verehrte, die hier - in Anatolien -  raumgreifend und klar umgeben ist von ehrenswert ehrenden Bauwerken.




"DIE BAGDADBAHN. Zugfahrt durch unbekannte Türkei". (60 Min., Kamera Horst Bever)

16 mm, gesendet 1987. Vorgeführt auch in der Türkei , diskutiert in den Univesitäten in Ankara und Istanbul. Der Film zeigt die Strecke von Istanbul quer durch Anatolien und  über den Taurus bis zur syrischen Grenze am Euphrat. Der Bahnbau bis Bagdad war ab 1900 eine der Provokationen, die zum ersten Weltkrieg führten. Der Film wurde zu einem oft wiederholten und oft gelobten Dokument. Siehe hier unter "Bücher" das Filmtagebuch "Bagdadbahn" und "Gegen Drachen." (2017). Der Bagdadbahn-Film lief 2015 in der Zentralen Uni in Ankara und in der Uni Hacettepe in Istanbul, jeweils mit lebhaften Debatten - auch über Autokratie und Kolonialismus.




AMERIKA ÜBERM ABGRUND. Erdbebenland Kalifornien. Weltuntergang Weltanfang.






90 Min, 1989, 16 mm. Die Amerikaner und ihr Sankt-Andreas-Spalt.  Schon diese minimalen Fotos (Kopien aus dem 16-mm-Film!) mit der Erdbebenstadt San Francisco, sie zeigen den kühnen Optimismus der Bauherren über dem Erd-Riss. Oben in der Wüste Carizzo, der die Stadt zerriss und den Tenor Caruso nie wieder singen ließ in Frisco. Trotz Totalcrash und Stadtbrand 1906 sieht man auf dem 16-mm-Foto fünfzig Jahre später übereinander sechs verschiedene Verkehrs-Ebenen, die oberste, die Oakland-Bay-Bridge, mit Doppel-Ebene. Kurz nach diesen Aufnahmen zerkrachte 1989 in einem Beben die wichtigste, Autos stürzten in die Bay. Der Film musste in größter Eile nachts fertig geschnitten werden, kam ausnahmsweise "ins Erste".



"SAMOTHRAKE". 45 Min., Film  16 mm, 1990. - Ein Sommer, ein Winter auf der Insel am Anfang von Europa. Mit der berühmten kopflosen "Nike von Samothrake".






"SPIEGELGASSE ZÜRICH".

45 Min, 1991, 16 mm-Film für die Reihe “Menschen und Straßen”. Die Gasse ist 300 Meter lang, oft kaum zwei Meter breit, war 1916 Gründungs-Ort für den “Club Voltaire” und für die Sprach-Erneuerung DADA.

War Wohnort von Büchner und Lenin, von Lenin, bevor er die Sowjetunion erfand. Lenin, so zeigt der Film, wohnte neben Georg Büchners Sterbezimmer. In der Spiegelgasse wohnten auch Johann Kaspar Lavater, Goethe, Gottfried Keller, Robert Walser, Peter Weiss. Man hört -  und sieht - das tolle DADA-Manifest.  Otto Jägersberg improvisiert in Fenstern mit Überblick die Themen Joyce, DADA und Spiegelgasse. Eine langsame Vorbeifahrt an einem Schaufenster verwandelt eine rote Lenin-Skulptur in eine grüne.

Der Film bleibt ganz ohne Wort-Kommentar, ist reine Bild-Ton-Montage.





"ALEXANDRIA. DIE DREIFACH VERSUNKENE".                                            

45 Minuten, 16 mm Film, 1991. Die Stadt der Feldherren: Caesar, Napoleon, Montgomery. Größte Stadt am Mittelmeer. Interview des Michael Lüders mit dem Papst des ägyptischen Christentums und mit einem Imam über die Frage, warum Männer und Frauen getrennt beten (nur die Männer in den Moscheen). Danach Gespräche mit eleganten älteren Ladies über Ägyptens "prachtvolle" (englische) Männer in den 20er und 30er Jahren des 20.Jahrhunderts und "im Krieg". Der Film zeigt ausführlich den nun zerfallenden Glanz jener Jahre (europäischer Kolonialherrschaft), stimmungsvoll geschnitten auf  Musik dieser "goldenen Zeit" .











































In Alexandria auch ein Papst - für die Gläubigen DER Papst:

Oben Baba Genuda, koptischer Papst in Alexandria, beim  Interview. Kopten berufen sich auf das Markus-Evangelium
















"KLUMPEHENNNER".

Historisches Szenario über die erst sehr spät gelungene "Badische Revolution". Erst 1918 gelang sie, nicht etwa schon 1848. Magazinbeitrag für Georg DuMesnil im Regional-TV des SWF 1991.






Zum Glück half mir vor den Kameras fühes theatralisches Üben, dazu hier ein Bild vom Abiturs-Spiel 1955 in Essen. Im Spiel "Der Verlorene Sohn", das der Deutschlehrer gedichtet hatte, streng nach der Bibel, da sollte ich den "Wucherjakob" geben. Ja, "Wucherjakob"  nannte 1955 der Dichter die Rolle dessen, der laut Bibel den verlorenen Sohn ausgeplündert hat.













IZMIR oder Flieg mich zum Mond.

45 Min, 16 mm, 1992. - An Izmirs Hafen reitet Atatürk voran in Richtung Griechenland, seinem Finger folgten viele.


Unten ein Bild aus dem antiken Ephesus neben Izmir. Im nächtlich antiken Theater von Ephesus exekutierten Frankfurter Musiker nächtlich und stimmgewaltig - auch für unseren Film - Orffs eindringliche "Carmina Burana". 

Der Film bietet aber auch Blicke auf den heute stinkigen Ort am Fluss mit Namen "Mäander". In dessen Tal, heißt es, hat vormals der blinde Homer gelebt und gedichtet.




Neben Izmir:  Ephesus. Die Bibliothek




"SIEBEN ZWERGE SALEM".

30 Min., 1992. Eine andere Drogentherapie. Wie die Antroposophen Sucht zu heilen suchen.



"BORNHOLM".

Archaische Gegenwart auf Granit. Die Insel hieß althochdeutsch Burgundarholm,  "Insel der Burgunder".

Filmporträt der Insel und ihrer Musiker, Fischer und Künstler, 1993


"DESERT WIND".

Für SWF und ARTE, 90 Minuten Bahnfahrt, 1993. In Frankreich 7 Prozent Einschaltungen, damals Rekord, zum ersten Mal mit E-Kamera. - Fahrt über die Rocky Mountains von Denver bis Salt Lake City, Finale im Salzsee.

In der ersten Hälfte durchs oberste Tal des Colorado. Durch Goldgräbersiedlungen und durch die Regionen, in die sich die von den Europäern verfolgten Indianer geflüchtet hatten - Utah und Cheyenne.














"RHEINFAHRT".

Vom Rheinfall bis zum Drachenfels.                 

90 Min., 16 mm, 1994 (SWR).




Per Kahn und Bahn. Die ersten 2 Minuten  des Films sind hier abrufbar - (siehe unten, neben dem auffallend grünen Haar der Undine, einfach anklicken), geschnitten sind die beiden Minuten zu authentisch präziser Musik die komponiert wurde kurz vor 1848 für die "romantische Zauberoper Undine" (Lortzing schrieb 1848 seine Arbeiter-Oper REGINA), der Ton wechselt abrupt zwischen sehr laut und sehr leise, am besten also laut stellen, sonst verpasst man beste Momente

Im Kieskahn rheinab,  an Frankreichs "Ostküste", auf dem Rhein. Links vom Kieskahn wäre jetzt das Atomkraftwerk Fessenheim zu sehen gewesen. Damals wollte ich den "hässlichen Schuppen" ignorieren - den Fehler hab ich später wieder gutzumachen versucht mit der Novelle "Fessenheim" (siehe "Bücher"). Von jedem am Atomkraftwerk Fessenheim vorüberfahrenden Kahn sieht man in Steinwurfweite, was seit 2012 das Buch-Cover "Fessenheim" zeigt (siehe Bücher).



Der Kieskahnkapitän erblickt die große Konkurrenz.


Kurz drauf im Film Straßburgs Wasserstraße, die Burgen, die Industrie (IG Farben), der Drachenfels

Unten rechts das Haar der Undine, das sieht man im Film glasklar, sieht man elegant bewegt hinter, zu finden hinter dem Kaiserstuhl, von alten Strömungen bewegt im Altrhein "Taubergießen", das geift da umher in langsam elegischem Schwung. - Die Fotos  sind alle aus dem Film "Rheinfahrt" bzw. aus dessen ersten zwei Minuten






Die 2 ersten Minuten von RHEINFAHRT (Ton laut!) :



Rhein2.mpg (31.95MB)
Rhein2.mpg (31.95MB)





"JUIST". Zauberland vor Deutschland.

45 Min, 16 mm, 1994. Im Winter, im Sommer. Im Frieden, im Krieg. 




"EROICA PLACE KLÉBER STRASBOURG"   

Für SWF und  France III,  noch mal auf 35 mm-Film, 1994, 60 Min. Geschichte und Gegenwart des zentralen Platzes in Straßburg. Leben und Sterben des riesenhaften Napoleon-Generals und Kunstfreundes Kleber, des Elsässers mit dem Beethoven-Haupt, der für Napoleon Schlachten gewann (und der nach Beethovens Korrektur seiner "Heldensinfonie" der wahre Held seiner "Eroica" wurde). Kleber, kurz bevor ihn am Nil ein Ägypter ermordete, hatte seinen Chef Napoleon vor ein Kriegsgericht stellen wollen, weil Napoleon seine Truppen im Orient im Stich gelassen hatte, um in Paris Karriere zu machen als Kaiser. In einer letzten Schrift bezeichnet Kleber Napoleon als "Deserteur". Die sterblichen Reste des Straßburger Generals werden im Film vor laufender Kamera freigelegt und tatsächlich entdeckt, und zwar unter seinem Denkmal in der nach ihm benannten Mitte von Straßburg, unter dem "Kleberplatz".






"DIE RUHR"

Deutschlands schönster Fluss.

So hieß meine letzte Film-Idee. Am ersten April 1995 aber konnte ich - nach 30 Jahren - die nervige "öffentlich-rechtliche" Anstalt endlich verlassen "im gegenseitigen Einvernehmen" , ein System, in dem Literatur im Grunde und nachweisbar nicht sendbar war - wirkte in der Tat wie eine "Anstalt".


"Schwarze Lene" überm Baldeneysee, seit 1936 wöchentliches Essener Spazierziel der Lodemanns (10 Fußminuten),

einst Reit-Ziel des Alfried Krupp

Ruhr im "Bergischen Land", verlockend, auch im Trüben







1968 (Foto Horst Bever und Martin Walser  -  vgl. Anfang dieses Kapitels "Film")




Seitentäler der Ruhr. Die Forscher sind sich sicher, das Bild unten zeigt es, in diesem Seitental ("Muttental", hinter Zeche "Nachtigall") hat er einst begonnen, der systematische Abbau von Steinkohle. Und - - -

 - - - und bin mir am Forsch- und Lebens-Ende sicher, wer das war, der hier früh abräumte und befeuerte und schmiedete. Und erkannte und befriedete.